Chinese Crested

Chinese Crested Dog (Chinesischer Schopfhund)

Vorweg: Jeder, der einen nackten Schopfhund zum ersten Mal sieht, denkt, er wäre so geschoren. Dieser Hund ist aber von Natur aus so!

Die Felllosigkeit am Rumpf beim Chinese Crested Dog ist nicht vom Menschen gezüchtet (und daher  nicht das Ergebnis einer “Modemasche” oder Qualzucht), sondern eine Laune der Natur (wie es beispielsweise auch weiße Tiger gibt). Sie ist Jahrtausende alt und daher fest in den Genen verankert. Ausgrabungsfunde weisen sogar darauf hin, dass vermutlich die ersten, von Menschen gehaltenen Hunde, Nackthunde gewesen sind.

Chinese Crested Dog - Hairless  ©hundund.de 2009

Chinese Crested Dog ©www.images.google.de 2010

Es gibt übrigens noch 3 weitere Nackthunderassen: zunächst den „Perro sin Pelo del Peru (Peruanischer Nackthund/Peruvian Hairless oder auch Viringo)“ und den „Xoloitzcuintli (Mexikanischer Nackthund/Mexican Hairless)“, der in 3 Größen vorkommt. Diese beiden Rassen haben, im Gegensatz zum Chinesischen Schopfhund, nur ein winziges, borstiges Haarbüschel am Kopf und am Rutenende. Der dritte im Bunde, der “American Hairless Terrier (AHT)”, ist  hingegen von Menschenhand gezüchtet und gänzlich nackt. Seine Nacktheit beruht allerdings nicht auf einer Mutation, sondern auf einem Defektgen.

Nackthunde wurden von vielen Völkern wie Gottheiten verehrt. Ihnen schrieb man magische und heilende Kräfte zu, wie z.B. die Fähigkeit, Asthma, Arthritis oder Rheuma zu kurieren.

Hier können Sie weitere Bilder dieser außergwöhnlichen Hunderasse ansehen!

Ursprung

Vermutlich Afrika und China.

Patronat

Grossbritannien.

Entstehungsgeschichte

Der Chinese Crested Dog gehört zu den Kleinsthunderassen. Und er zählt, auf Grunde einer Vielzahl spezieller Merkmale, zu den ungewöhnlichsten und seltensten Hunderassen überhaupt. Sein Ursprung reicht über 4 Jahrtausende zurück.

Aus einer Mutation entstand in Afrika ein haarloser Wildhund, der „Canis Africanis“, welcher vermutlich als Ururahne der heutigen Schopfhunde anzusehen ist. In diesem Lebensraum war die Haarlosigkeit aufgrund von Hitze und Ungeziefer von Vorteil. Diese haarlosen Hunde wurden weitergezüchtet und gelangten schließlich nach China. Dort wurden bereits vor unserer Zeitrechnung, – während der Han-Dynastie (200 v. Chr.  – 200 n. Chr.) -, Nackthunde zunächst für die Jagd, dann als Wachhunde und schließlich als Schoßhunde gezüchtet. Später gelangte die Rasse nach Amerika.

Verwendung

Gesellschafts- und Begleithund. Er wurde von den Chinesen der Mandarinkaste als Schoßtier und Bettwärmer gehalten.

Allgemeines Erscheinungsbild

Der Chinese Crested ist ein kleiner, lebhafter und anmutiger Hund, mit einem leichten bis mittelstarken Knochenbau.

Sein Körper ist ebenmäßig, – entweder haarlos, mit Haarwuchs auf dem Kopf, dem Nacken, an den Pfoten und an der Rute („Hairless“-Schlag) oder dicht mit einem weichen Haarschleier eingehüllt („Powder Puff“, dt. Puderquaste).

Dazu gibt es noch 2 sich deutlich voneinander unterscheidende Typen, was den Knochenbau betrifft: den rassigen und feinknochigen „Deer“-Type (dt. Reh-Typ), sowie den gedrungenen „Cobby“-Type, der einen kräftigeren Körper- und Knochenbau aufweist.

Äußere Kennzeichen

Größe: Ideale Widerristhöhe: Hündin: 23 – 30 cm, Rüde: 28 – 33 cm

Gewicht: variiert sehr; 2 – 5,5 kg

Alter: 12 – 16 Jahre

Körper: Seine Körperform ist rechteckig, mittellang bis lang, die Figur geschmeidig.

Farbe: Jede Farbe und Farbkombination ist zulässig.

Die am häufigsten vorkommenden Farben bei der HL-Variante sind rosa, braun, blau, lavendel und mahagonifarben, – dabei gefleckt (großflächig oder wie ein Leopard gefleckt) oder einfarbig mit meist hellerer Kopf-, Bein- und Rutenbefederung. Auch ein dunkler, einfarbiger Mantel mit heller oder gefleckter Brust- und Bauchfärbung ist relativ häufig. Zu den selteneren Farbgebungen zählen gänzlich einfarbige schwarze, weiße und braune Hunde.  Hunde in Ginger (Rottöne) sind äußerst selten und sehr begehrt.

Haarkleid: Es gibt den CC langseidenhaarig, gelockt, kurz- oder rauhaarig, allerdings ist die langseidenhaarige Fellstruktur bei beiden Varianten erwünscht. Bei den Powder Puffs wird nur die langseidenhaarige Variante von der FCI (Fédération Cynologique Internationale) anerkannt.

Der Chinese Crested “Hairless” und der “Powder Puff” haben bei der FCI jeweils ihren eigenen Standard.

CC „Hairless“ (HL): Die Behaarung beim Chinese Crested „Hairless“ variiert und generell unterscheidet man 2 Varianten: „True-Hairless“ und „Semi-Hairless“.

Der „True-Hairless“ CC ist am Rumpf weitgehend nackt. Er hat nur ein paar Körperhaare, vergleichbar mit uns Menschen. Allerdings ist in der Regel auch seine Mähne am Kopf, den Pfoten und an der Rute nicht so üppig. Auch beim CC gibt es Hunde, die sogar nur ein kleines Haarbüschel zwischen den Ohren, – quasi einen Bürstenhaarschnitt -, und einige wenige Haare an den Pfoten und am Rutenende haben. Auch dies ist zulässig.

Der „Semi-Hairless“ CC hat eine rudimentäre Behaarung am Rücken, und manchmal auch an den Körperseiten und an den Beinen. Dafür besitzt er aber eine prächtige, lange Mähne am Kopf, dem Nacken, den Pfoten und an der Rute und sieht wie ein Miniatur-Pferd aus, – oder wie ein Paradiesvogel. Der vollständig behaarte Kopf wird als “all over crest” bezeichnet.

Beide Varianten werden von der FCI zugelassen, wenngleich der „Semi-Hairless“ CC für den Wettbewerb nackt rasiert werden muss.  Es hat den Anschein, dass man in Europa größere, üppig befederte Schopfhunde bevorzugt, während in den U.S.A. sehr kleine, weitgehend nackte Hunde gezüchtet werden.

CC „Powder Puff“ (PP): Das Fell des langseidenhaarigen PP besteht aus einer Unterwolle und einem weichen, langen Haarschleier. Er sieht ein bisschen wie eine kleine Ausgabe eines Afghanen aus.

Das Besondere ist, dass er keinen saisonal bedingten Fellwechsel hat. Beide Varianten sind daher für Allergiker besonders geeignet!

Haut: Die Haut des Chinese Crested HL ist trocken, weich und warm und bietet durch ihren besonders hohen Melaningehalt einen sehr guten Sonnenschutz (dieser ist bei dunklen Hunden am Höchsten). Gleichzeitig hat diese Eigenschaft eine interessante optische Wirkung zur Folge: die Hunde ändern mit der Jahreszeit ihre Farbe! Sie sind hell im Winter und tiefdunkel im Sommer, – besonders attraktiv bei gefleckten oder einfarbig schwarzen Hunden.

Pfoten: Auch bei den Pfoten weist der Chinese Crested eine Besonderheit auf: Er besitzt extrem ausgebildete „Hasenpfoten“ mit sehr schmalen, langen Zehen, vor allem an den Vorderbeinen. Sie sind sehr viel beweglicher und gelenkiger, als normale Hundepfoten. Damit kann er sehr gut greifen und zufassen. Leider entschärft er damit auch gern seine Krallen an Teppichen und dgl., – wie eine Katze.

Gangwerk: Die Gangart zeichnet sich durch herrliche Eleganz aus und erinnert an die von Pferden: Sie ist lang ausgreifend, flüssig und mit viel Schub.

Ohren: Sie sind groß, etwas seitwärts angesetzt und werden beim CC Hairless aufgerichtet getragen. Beim aufmerksamen Hund werden sie blitzschnell von der seitlichen Position zum Schädeldach hochgezogen, bei Spielllaune oder beim “Schmusen” widerum nach hinten gefaltet. Sie sind mit oder ohne Befederung. Bei den Powder Puffs sind auch Hängeohren erlaubt.

Augen: Sie sind dunkel und liegen weit auseinander.

Rute: Sie ist hoch angesetzt, lang und spitz zulaufend und auch bei der HL-Variante behaart: von spärlich am Rutenende bis hin zu vollkommener Befederung. Das Haar ist bei seidenhaarigen Hunden lang und wallend.

Genetik

Beide Varianten des Chinese Crested Dog (HL und PP) sind heterozygot (mischerbig), d.h. dass sie beide ein Haarlos-Gen (FOXI3) und ein Gen für ein volles Haarkleid haben. Allerdings erweist sich das Gen für ein volles Haarkleid als dominant, sodass bei der Verpaarung von einem PP mit einem HL CC meist weniger nackte, als behaarte Junge zu erwarten sind. Ebenso werden 2 behaarte Elternteile (PPs) nur selten unbehaarte Junge hervorbringen. Trotzdem setzt sich das Nacktgen schon seit Jahrtausenden immer wieder durch. Das Gen für Haarlosigkeit beinhaltet jedoch die Gefahr einer unvollständigen Zahnentwicklung: So fehlen den haarlosen CCs manchmal Schneidezähne und Prämolaren (vordere Backenzähne). Warum das so ist, ist bisher nicht klar. Um dies zu vermeiden, ist es ratsam, nackte und behaarte Hunde miteinander zu verpaaren. So erreicht man gleichzeitig eine üppige Kopfbehaarung bei den nackten Nachkommen.

Grundsätzlich erfolgt die Vererbung nach den Mendelschen Regeln (Uniformitätsregel, Spaltungsregel) und kann am Modell der Verpaarung schwarzer und weißer Kaninchen nachvollzogen werden: Demnach sind bei der Verkreuzung von heterozygoten Tieren ¼ homozygote (reinerbige) Nachkommen zu erwarten. Diese sind, bleiben wir beim Modell der Kaninchenverpaarung, meist wieder einfarbig weiß und haben leider oft genetische Defekte wie z.B. rote Augen (Albino), Blindheit, Taubheit oder sie sind gar nicht lebensfähig.

Nachdem die CCs immer heterozygot sind, treten bei der Verpaarung auch hier homozygote Embryonen, mit eventuellen genetischen Defekten, auf. Diese werden allerdings als solche „erkannt“ und gar nicht erst zur Welt gebracht. Sie sterben in den meisten Fällen noch im Embryonalstadium ab und werden vom Mutterleib absorbiert.

Da also nackte Schopfhunde nur mischerbig zur Welt kommen, sind sie vollkommen gesunde Tiere und keineswegs krankheitsanfällig oder degeneriert. Das in der Wissenschaft erst kürzlich entdeckte Nacktgen (FOXI3), – ohne das übrigens auch wir Menschen immer noch unser Affenfell hätten, – ist ein Mutationsgen und kein Defektgen! Mutationen sind Vorgänge in der Natur, die neue Arten entstehen lassen.

Charakter

Er ist schlau und listig; sehr anhänglich, liebesbedürftig und verschmust; lustig, neugierig, vital, quirlig und verspielt; dabei sehr ausdauernd und nie aggressiv; Fremden gegenüber etwas vorsichtig.

Er liebt die Wärme und die Nähe zum Menschen, – und liegt daher gern auf dem Schoß und (leider) auch im Bett, am liebsten unter der Bettdecke. (Es bedarf daher einiger Durchsetzungskraft, wenn man den „Kampf“, allein im Bett zu schlafen, gewinnen will!)

Der haarlose CC mag (verständlicherweise) kein nasses Wetter mit Wind und Regen. Und er unterscheidet sich von seinem behaarten Artgenossen noch weiter im Charakter: Er ist grundsätzlich (auch im Sommer) aktiver und lebendiger als der PP, wahrscheinlich ein in den Genen verankerter Instinkt,  sich warm zu halten.

Haltung

Nachdem es der Chinese Crested gern warm und bequem hat, er nicht haart und viel schläft, ist er der ideale Wohnungshund. Allerdings darf man diese Rasse nicht unterschätzen: der CC (vor allem die HL-Variante) hat gleichzeitig einen enormen Bewegungsdrang, und dafür reicht selbst eine große Wohnung nicht aus. Kommt der CC hinaus in die Natur, entwickelt er wahre Windhundenergien. Er liebt es, zu rennen und ist dabei von enormer Ausdauer. Infolgedessen ist er auch bei ausgedehnten Wanderungen der ideale Begleiter.

Nur bei regnerischem Wetter, verlässt vor allem der CC HL ungern sein gemütliches Heim, Kälte oder Schnee hingegen machen ihm nichts aus, ganz im Gegenteil: viele Hunde lieben es, durch den Schnee zu toben. Selbstredend ist er aber kein Hund, der im Freien gehalten werden kann.

Auch wenn das Aussehen des Chinese Crested einen vielleicht  zur Annahme verleitet, man hätte es hier mit einem anspruchslosen Schoßhündchen zu tun, so wird man ihm damit nicht gerecht. Er ist ein Hund, der viel Bewegung, Beschäftigung und Zuwendung braucht und ist daher als Familienhund und für Kinder gut geeignet. Allerdings sollte man, auf  Grunde seines filigranen Körperbaus,  zu wilde Spiele mit ihm vermeiden.

Erziehung

Generell muss man berücksichtigen, dass kleine Gesellschaftshunde  grundsätzlich nicht so leicht und nicht so umfangreich zu erziehen sind, wie jene, die von jeher als Gebrauchshunde gehalten bzw. gezüchtet wurden. Andererseits ist der Chinese Crested nie aggressiv und hat auch keinen Hüte- oder Jagdinstinkt, der einem die Führung erschwert. Einen Grundgehorsam kann man ihm durchaus beibringen.

Der CC ist ein selbstbewusster kleiner Kerl, der, ähnlich einem Terrier, auch  seinen eigenen Kopf hat. Man sollte in der Erziehung deshalb beharrlich bleiben.

Pflege

Der Pflegeaufwand bei dieser Rasse ist relativ gering, wobei der PP, vor allem nach einer Toberei durch den Matsch, schon eher mal ein Bad benötigt, als sein nackter Kollege.

Rasur: Da selbst bei der True-Hairless-Variante des CCs am Körper rudimentäre Haare wachsen (die aber keinen wirklichen Kälteschutz darstellen), empfiehlt es sich, seinen Rumpf 1x/Woche mit einer Schermaschine zu rasieren. Zur Verfeinerung der Optik kann eine Nassrasur folgen. So sieht der CC HL dann richtig schnittig aus!

Sonnenschutz: Trotz des hohen Melaningehaltes seiner Haut, ist der CC HL (wie wir Menschen) nicht auf erhöhte Umweltbelastungen durch Ozon vorbereitet. Es ist deshalb bestimmt nicht falsch, an sehr heißen Tagen ein Sonnenmittel mit hohem Lichtschutzfaktor anzuwenden, um dem Hautkrebsrisiko vorzubeugen. Dies gilt besonders für helle Hunde. Dunkle haben einen höheren Melaningehalt.

Weitere Besonderheiten

Diese Hunderasse bellt nur äußerst selten, sondern macht sich in der Regel  eher durch ein leises Winseln, fast eher ein Piepsen,  oder, – bei Empörung -, durch kurzes „Wuffen“ bemerkbar. Nur im äußersten Notfall oder bei überschwenglicher Freude werden die Hunde auch mal laut: dann erinnert der Ton eher an das Quieken eines Schweinchens, als an ein Hundebellen.

Der Chinese Crested ist ein Sonnenanbeter (vor allem der HL-Schlag) und hechelt auch bei sehr hohen sommerlichen Temperaturen nicht. Sein Temperaturausgleich erfolgt durch Schwitzen, was man aber nicht wirklich wahrnimmt.

Man liest sehr oft, diese Rasse hätte eine höhere Körpertemperatur und würde so ihr mangelndes Winterfell ausgleichen, was aber nicht stimmt: Der CC hat, wie alle Hunde, eine Körpertemperatur von 38,2 – 39,2° C und hält sich durch viel Bewegung warm. Der haarlose CC sollte deshalb, wie auch glatthaarige Hunde, die keine Unterwolle besitzen, bei extremer Kälte ständig in Bewegung sein oder etwas überziehen.

Viele CCs haben eine Vorliebe für Obst und Gemüse.

“Würde das Gebet eines Hundes erhört, würde es Knochen vom Himmel regnen.” Türkisches Sprichwort

filmhund@web.de

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